Archiv für September, 2000

Vom Totentanz im Palast zum Tanz auf der Mauer

Politshows – Medienrituale
von
Peter Hoff

Am 6. Oktober 1989 ließen sich die Führungen der SED, der Parteien des „Demokratischen Blocks“, der Massenorganisationen und die Regierung der DDR von ausgewählten Bürgern im Palast der Republick anläßlich des 40. Jahrestages der Gründung der Deutschen Demokratischen Republick feiern. An den Festakt im sogenannten Haus des Volkes schloß sich ein Fackelzug von mehr als einhunderttausend Jugendlichen aus den Bezirken und der Hauptstadt der DDR an, der an ebendiesen Funktionären der Parteien und Organisationen sowie an deren internationalen Gästen vorbeizog. Die Hochrufe, die bei dieser Gelegenheit immer wieder ausgebracht wurden, galten jedoch nicht den „Repräsentanten des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden“, sondern dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Michail Gorbatschow. Der hatte, auf die Notwendigkeit angesprochen, Politik und Gesllschaftsstrategie in den – zu jener Zeit noch – sozialistischen Länder zu verändern, prophezeit: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben …“ – nur fünf Wochen später ließ Egon Krenz, der letzte Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzende des Staatsrates der DDR, die Grenzen zur Bundesrepublick Deutschland und nach Berlin (West) öffnen. Damit war die Mauer faktisch gefallen, deren Bestand Krenz‘ Vorgänger Honecker für fünfzig oder hundert Jahre noch hatte behaupten wollen. […]

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Autor: Peter Hoff (1991)
zuerst veröffentlicht in: Medien der Ex-DDR in der Wende. Beiträge zur Film- und Fernsehwissenschaft. 32. Jg., Bd. 40, Berlin 1991

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