Archiv für November, 2000

Keiner lacht für sich allein

Das Lachen im Theater und in den Medienkünsten
von
Peter Hoff

Menschen zum Lachen zu bringen, ist mit Sicherheit das schwierigste Unternehmen der Kunst.
Jemandes Mitgefühl zu erregen, ihn zum Mitleiden mit einer leidenden Kreatur zu bewegen, nach traditioneller Auffassung die Aufgabe der Tragödie, ist relativ leicht.
Wer wollte schon einem Gattungsgenossen im Elend seine mitfühlende Anteilnahme verweigern, ihm sein Mitleid versagen?
Wie aber sind Menschen zum Lachen zu bewegen?
Nach überkommenden Vorstellungen ist Lachen eine niedere Gemütsregung, an keinerlei hohe Gefühle gebunden. Die komischen Genres sind nicht selten der Verachtung ausgesetzt. In der Komödie agieren die Niederen, während das Erhabene den Hochgestellten in der Gesellschaft vorbehalten ist. Und wenn die Hochgestellten zur personnage der Komödie, zum Gegenstand des Lachens werden, sind sie auch schon der Verachtung ausgesetzt. Der Schweizer Romancier und Dramatiker Friedrich Dürrenmatt faßte das in die Formel: „Die schlimmst mögliche Wendung, die eine Geschichte nehmen kann, ist die Wendung in die Komödie.“ Der Tod in der Komödie ist endgültig, was totgelacht wurde, kann auf keine Auferstehung hoffen, die den toten Helden der Tragödie immer noch bleibt.
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